
Bonner Rundschau vom 24.06.20



General Anzeiger Bonn
Dienstag, 23. Juni 2020
Endlich wieder live und analog
Kleines Theater Bad Godesberg meldet sich mit spannendem Psychokrimi „Flurgeflüster“ zurück
Flurgeflüster mit Leonie Houber und Niklas Iwannek. Foto: Patric Prager
Von E. Einecke-Klövekorn
Sie hat ein Zimmer mit Aussicht, er ist bekennender Hitchcock-Fan. Sie hat das Geld für das Apartment Nr. 12 in dem teuren Londoner Wohnkomplex mühsam zusammengespart und erst ein Viertel des Kaufpreises bezahlt. Der neue Bewohner von Nr. 11 hat geerbt und bereits einen Eigentumsanteil von über 50 Prozent erworben. Sie stammt von der Isle of Man, er ist ein Weltenbummler und allein mit dem Fahrrad bis nach Teheran gefahren. Sie schätzt den Künstler Mondrian, er mag exotische Früchte. Jetzt sind die beiden namenlosen Endzwanziger zufällig Nachbarn.
Die Bewohnerin von Nr. 10 bekommen sie nie zu Gesicht, nur die regelmäßig vor ihrer Tür im Flur abgestellten stinkenden Müllsäcke verweisen auf ihre Existenz. Gleich verraten sei: Aus der Konstellation der namenlosen Figuren wird keine Love-Story. Die 2011 in London uraufgeführte schwarze Komödie „Flurgeflüster“ des kanadischen Dramatikers Jason Hall, übersetzt von Peter und John von Düffel und von etlichen deutschen Bühnen gespielt, entwickelt sich spätestens nach der Pause zu einem Psychokrimi.Intendant Frank Oppermann hat mit dem raffinierten Zweipersonen-Stück das Kleine Theater Bad Godesberg nach über dreimonatiger Zwangspause wieder eröffnet. Der Zuschauerraum hat seinen Wohnzimmer-Charme zurückgewonnen durch die Öffnung der Fenster, die auch eine schnelle Durchlüftung erlauben. Die Garderobe im Foyer ist zwecks Abstands-Einhaltung verschwunden. Um das Publikum vor Aerosolen zu schützen, wurde um die Bühne eine Plexiverglasung gebaut. Das verlangt von den beiden Schauspielern etwas mehr stimmliche Energie, aber in der Inszenierung von Stefan Krause funktioniert das vorzüglich. Schauplatz ist der Flur zwischen den verschachtelten Wohneinheiten mit den ständig auf- und zuklappenden Türen 11 und 12.Geflüstert wird eher nicht. Schon gar nicht, wenn 11 nach einer wilden Party wieder mal die leeren Bierkisten entsorgt und 12 mit echtem Champagner besticht, damit sie die nächtliche Ruhestörung nicht bei der Hausverwaltung meldet. Auf sozialer Distanz besteht die selbstbewusste junge Frau ohnehin. Leonie Houber spielt sie mal munter schnippisch, mal deutlich indigniert angesichts der enervierenden Avancen ihres neuen Nachbarn.Deutlich angeheitert nach der Trennung von einem Kurzzeit-Lover kann 12 die Fürsorge von 11 jedoch gut brauchen. Dass der Sonnyboy von nebenan mal ungeniert splitternackt seine Wohnungstür öffnet, irritiert sie nur mäßig. Niklas Iwannek spielt den undurchsichtigen Charmeur mit fabelhafter körperlicher Präsenz und frecher Intelligenz. Dass er zunehmend aggressiv an die geheimnisvolle Tür 10 klopft und schließlich sogar einen Einbruch wagt, klärt noch längst nicht alles auf. Zumal man den eigenwilligen Akteuren der Geschichte schon bald nichts mehr glauben sollte.Rasante Kostümwechsel signalisieren die zeitlichen Abstände zwischen den schlaglichtartigen, kurzen Szenen. Dass die Hochspannung dabei stabil bleibt, liegt an der eingespielten suggestiven Musik der legendären Elektropop-Band „Sparks“. Die unheimliche Wohnung 10 wird am Ende vermutlich frei, bei 12 ist Vorsicht geboten …Entschieden gelungen ist der Neustart des Kleinen Theaters auf jeden Fall. Mittlerweile gibt es wegen der Lockerungen der Corona-Regelungen sogar mehr Publikumsplätze als anfangs geplant. Endlich wieder analoges Theater live – beglückter Premierenbeifall.
Hygienekonzept
Kleines Theater
Die nächste Vorstellungen finden bis zum 17. Juli fast täglich um 19.30 Uhr statt. Am 12. Juli um 15.30 Uhr. Rechtzeitiges Erscheinen ist ratsam, weil die Sitze erst nach Aufruf der Nummern eingenommen werden dürfen. Infos zum Ticketverkauf und Hygienekonzept unter www.kleinestheater.eu. ein
Ioanna Giannaki & Uwe Arenz
Heike Kraske, Uwe Arenz und Jens Neufang
Georg Brinkmann & Alexander Koch
Michael Klevenhaus
Taste of Woodstock
Cynthia Nickschas & Friends
Marcus Schinkel und Joscho Stephan
„Klassik unter Zedern
Die Pianistin Elena Bashkirova spielt im Bad Godesberger Stadtpark ein Benefizkonzert
Pianistin Elena Bashkirova spricht zum Publikum im Bad Godesberger Stadtpark. Foto: JWG
von Fritz Herzog
Unter der riesigen Zeder vor dem wie verwunschen wirkenden Kleinen Theater an der Peripherie des Bad Godesberger Stadtparks ein Podest mit einem kleinen Pavillon, auf dem ein Flügel steht: Hier scheint sich eine vielversprechende Kooperation zwischen der in Rolandseck vor die Tür gesetzten Johannes-Wasmuth-Gesellschaft (JWG) und Frank Oppermann, dem mutig neuen Hausherrn des „Kleinen Theaters“, abzuzeichnen.
Organisatorisch mit im Boot der Verein „Kukug – Kunst & Kultur Bad Godesberg“. Nach der coronabedingten Zwangspause sämtlicher Kulturschaffenden wagt nun die JWG noch vor Saisonende einen Neustart, der zugleich auch die zwangsweise Auszeit des Kleinen Theaters beendet. Mit Elena Bashkirova hatte man eine Pianistin gewinnen können, die sozusagen dem künstlerischen Inventar der JWG zuzurechnen ist. Unter Verzicht auf ihre Gage – der Erlös des Abends soll dem Fond für notleidende Künstler zugutekommen – hatte Bashkirova ein beziehungsreiches Programm vorbereitet, das zudem ganz ausgezeichnet in die Freiluft-Atmosphäre passte.Umrahmt von Schumanns „Papillons“ (op. 2) und seiner C-Dur-Fantasie (op. 17) ab es Beethovens ursprünglichen Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ (der allererste Liederzyklus der Musikgeschichte) in der klangmalerisch virtuosen Adaption durch Franz Liszt. Der Beginn geriet dabei ein wenig schleppend, als solle die Musik fast zum Stillstand kommen; hernach aber war die Tempowahl wieder deutlich näher bei Beethoven. „Nimm sie hin denn, diese Lieder“, der Vers, mit dem das letzte der von Beethoven vertonten Jeitteles-Gedichte beginnt, mochte in der Liszt-Version an Schumann gerichtet sein, der in seiner dem Kollegen Liszt dedizierten C-Dur-Fantasie (in der ersten Fassung) thematisch gleich mehrfach Bezug auf jene Beethoven-Vorlage nimmt, ebenso übrigens wie auf die Aria aus Beethovens c-Moll-Sonate op. 111. Bashkirovas Lesart überzeugt hier durch klare Strukturierung unter Berücksichtigung auch der Nebenstimmen in dynamisch feiner Abstufung.Eine solche kennzeichnete auch die eingangs gespielten „Papillons“, deren erzählenden Duktus Bashkirova mit einigen Ausflügen ins Neckische durch dezentes Rubato unterstrich. Das etwas einstündige Programm fand großen Anklang.“
