WDR4 Ausgehtipp vom 26.06.20

https://www1.wdr.de/kultur/flurgefluester-bonn-100.html

Schwarze Komödie „Flurgeflüster“ in Bonn

Von Stefan Keim

Das Kleine Theater Bad Godesberg zeigt ein Stück über zwei Menschen, die sich im Flur zwischen ihren Wohnungen treffen. Die beiden flirten, streiten – und eine Nachbarin bringt ihren Müll nicht raus. Audio starten, abbrechen mit Escape

Schwarze Komödie „Flurgeflüster“ in Bonn

WDR 4 Gut zu wissen. 25.06.2020. 02:44 Min.. Verfügbar bis 25.06.2021. WDR 4.

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Niklas Iwannek alias Russell (Nummer elf)

Niklas Iwannek alias Russell (Nummer elf)

Die beiden sind frisch eingezogen. Charity in Apartment Nummer zwölf, Russell gegenüber in die Elf. Sie begegnen sich auf dem Flur, reden ein bisschen, er möchte flirten, sie eher für sich bleiben. Doch sie finden etwas, das beiden gegen den Strich geht. Die Nachbarin von Nummer zehn stellt ihren Müll vor die Tür und bringt ihn nicht runter. Irgendwann mieft es. Und die beiden jungen Leute, die sich immer nur Elf und Zwölf nennen, fassen einen etwas übermütigen Plan.

Das Stück „Flurgeflüster“ von Jason Hall spielt ausschließlich auf dem Flur zwischen den beiden Wohnungen. Es wird nicht nur geflüstert, sondern auch gestritten und gegrölt. Am Anfang ist die Aufführung eine heitere Komödie, ein Spiel der Annäherungen. Doch dann bekommt sie ungemütliche Abgründe und wandelt sich zum bedrohlichen Thriller. Nummer elf ist ein großer Alfred-Hitchcock-Fan und versucht, Nummer zwölf mit Filmabenden in seine Wohnung zu locken. Die zitierten Klassiker des Meisters der Spannung sind „Das Fenster zum Hof“ und „Psycho“. Manches davon findet sich bald in der Wirklichkeit wieder.

Leonie Houber spielt Charity (Nummer zwölf)

Leonie Houber spielt Charity (Nummer zwölf)

Stefan Krause inszeniert den Wechsel der Stimmungen mit Feingefühl und Souveränität. Niklas Iwannek spielt Nummer elf als sympathischen jungen Mann, der einige seltsame Seiten entwickelt. Grandios ist Leonie Houber als Nummer zwölf, die jede Wendung absolut glaubwürdig verkörpert und auch in kratzigen Momenten viel Charme entwickelt.

„Flurgeflüster“ ist ein abwechslungsreiches Zwei-Personen-Stück, bei dem man nie weiß, wie es weitergeht. Weil die Komödie immer in den Thriller kippen könnte und umgekehrt.

Termine

Bis 17. Juli fast täglich 19:30 Uhr, 12. Juli 15:30 Uhr

Adresse

Kleines Theater Bad Godesberg
Koblenzer Straße 78
63177 Bonn-Bad Godesberg

Karten

Telefon: 0228 – 36 28 39

General Anzeiger vom 23.06.2020

General Anzeiger Bonn

Dienstag, 23. Juni 2020

Endlich wieder live und analog
Kleines Theater Bad Godesberg meldet sich mit spannendem Psychokrimi „Flurgeflüster“ zurück

Flurgeflüster mit Leonie Houber und Niklas Iwannek. Foto: Patric Prager

Von E. Einecke-Klövekorn

Sie hat ein Zimmer mit Aussicht, er ist bekennender Hitchcock-Fan. Sie hat das Geld für das Apartment Nr. 12 in dem teuren Londoner Wohnkomplex mühsam zusammengespart und erst ein Viertel des Kaufpreises bezahlt. Der neue Bewohner von Nr. 11 hat geerbt und bereits einen Eigentumsanteil von über 50 Prozent erworben. Sie stammt von der Isle of Man, er ist ein Weltenbummler und allein mit dem Fahrrad bis nach Teheran gefahren. Sie schätzt den Künstler Mondrian, er mag exotische Früchte. Jetzt sind die beiden namenlosen Endzwanziger zufällig Nachbarn.
Die Bewohnerin von Nr. 10 bekommen sie nie zu Gesicht, nur die regelmäßig vor ihrer Tür im Flur abgestellten stinkenden Müllsäcke verweisen auf ihre Existenz. Gleich verraten sei: Aus der Konstellation der namenlosen Figuren wird keine Love-Story. Die 2011 in London uraufgeführte schwarze Komödie „Flurgeflüster“ des kanadischen Dramatikers Jason Hall, übersetzt von Peter und John von Düffel und von etlichen deutschen Bühnen gespielt, entwickelt sich spätestens nach der Pause zu einem Psychokrimi.Intendant Frank Oppermann hat mit dem raffinierten Zweipersonen-Stück das Kleine Theater Bad Godesberg nach über dreimonatiger Zwangspause wieder eröffnet. Der Zuschauerraum hat seinen Wohnzimmer-Charme zurückgewonnen durch die Öffnung der Fenster, die auch eine schnelle Durchlüftung erlauben. Die Garderobe im Foyer ist zwecks Abstands-Einhaltung verschwunden. Um das Publikum vor Aerosolen zu schützen, wurde um die Bühne eine Plexiverglasung gebaut. Das verlangt von den beiden Schauspielern etwas mehr stimmliche Energie, aber in der Inszenierung von Stefan Krause funktioniert das vorzüglich. Schauplatz ist der Flur zwischen den verschachtelten Wohneinheiten mit den ständig auf- und zuklappenden Türen 11 und 12.Geflüstert wird eher nicht. Schon gar nicht, wenn 11 nach einer wilden Party wieder mal die leeren Bierkisten entsorgt und 12 mit echtem Champagner besticht, damit sie die nächtliche Ruhestörung nicht bei der Hausverwaltung meldet. Auf sozialer Distanz besteht die selbstbewusste junge Frau ohnehin. Leonie Houber spielt sie mal munter schnippisch, mal deutlich indigniert angesichts der enervierenden Avancen ihres neuen Nachbarn.Deutlich angeheitert nach der Trennung von einem Kurzzeit-Lover kann 12 die Fürsorge von 11 jedoch gut brauchen. Dass der Sonnyboy von nebenan mal ungeniert splitternackt seine Wohnungstür öffnet, irritiert sie nur mäßig. Niklas Iwannek spielt den undurchsichtigen Charmeur mit fabelhafter körperlicher Präsenz und frecher Intelligenz. Dass er zunehmend aggressiv an die geheimnisvolle Tür 10 klopft und schließlich sogar einen Einbruch wagt, klärt noch längst nicht alles auf. Zumal man den eigenwilligen Akteuren der Geschichte schon bald nichts mehr glauben sollte.Rasante Kostümwechsel signalisieren die zeitlichen Abstände zwischen den schlaglichtartigen, kurzen Szenen. Dass die Hochspannung dabei stabil bleibt, liegt an der eingespielten suggestiven Musik der legendären Elektropop-Band „Sparks“. Die unheimliche Wohnung 10 wird am Ende vermutlich frei, bei 12 ist Vorsicht geboten …Entschieden gelungen ist der Neustart des Kleinen Theaters auf jeden Fall. Mittlerweile gibt es wegen der Lockerungen der Corona-Regelungen sogar mehr Publikumsplätze als anfangs geplant. Endlich wieder analoges Theater live – beglückter Premierenbeifall.

Hygienekonzept
Kleines Theater
Die nächste Vorstellungen finden bis zum 17. Juli fast täglich um 19.30 Uhr statt. Am 12. Juli um 15.30 Uhr. Rechtzeitiges Erscheinen ist ratsam, weil die Sitze erst nach Aufruf der Nummern eingenommen werden dürfen. Infos zum Ticketverkauf und Hygienekonzept unter www.kleinestheater.eu. ein

Klassik unter Zedern – General Anzeiger Feuilleton vom 16. Juni 2020

„Klassik unter Zedern

Die Pianistin Elena Bashkirova spielt im Bad Godesberger Stadtpark ein Benefizkonzert

Pianistin Elena Bashkirova spricht zum Publikum im Bad Godesberger Stadtpark. Foto: JWG
von Fritz Herzog

Unter der riesigen Zeder vor dem wie verwunschen wirkenden Kleinen Theater an der Peripherie des Bad Godesberger Stadtparks ein Podest mit einem kleinen Pavillon, auf dem ein Flügel steht: Hier scheint sich eine vielversprechende Kooperation zwischen der in Rolandseck vor die Tür gesetzten Johannes-Wasmuth-Gesellschaft (JWG) und Frank Oppermann, dem mutig neuen Hausherrn des „Kleinen Theaters“, abzuzeichnen.
Organisatorisch mit im Boot der Verein „Kukug – Kunst & Kultur Bad Godesberg“. Nach der coronabedingten Zwangspause sämtlicher Kulturschaffenden wagt nun die JWG noch vor Saisonende einen Neustart, der zugleich auch die zwangsweise Auszeit des Kleinen Theaters beendet. Mit Elena Bashkirova hatte man eine Pianistin gewinnen können, die sozusagen dem künstlerischen Inventar der JWG zuzurechnen ist. Unter Verzicht auf ihre Gage – der Erlös des Abends soll dem Fond für notleidende Künstler zugutekommen – hatte Bashkirova ein beziehungsreiches Programm vorbereitet, das zudem ganz ausgezeichnet in die Freiluft-Atmosphäre passte.Umrahmt von Schumanns „Papillons“ (op. 2) und seiner C-Dur-Fantasie (op. 17) ab es Beethovens ursprünglichen Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ (der allererste Liederzyklus der Musikgeschichte) in der klangmalerisch virtuosen Adaption durch Franz Liszt. Der Beginn geriet dabei ein wenig schleppend, als solle die Musik fast zum Stillstand kommen; hernach aber war die Tempowahl wieder deutlich näher bei Beethoven. „Nimm sie hin denn, diese Lieder“, der Vers, mit dem das letzte der von Beethoven vertonten Jeitteles-Gedichte beginnt, mochte in der Liszt-Version an Schumann gerichtet sein, der in seiner dem Kollegen Liszt dedizierten C-Dur-Fantasie (in der ersten Fassung) thematisch gleich mehrfach Bezug auf jene Beethoven-Vorlage nimmt, ebenso übrigens wie auf die Aria aus Beethovens c-Moll-Sonate op. 111. Bashkirovas Lesart überzeugt hier durch klare Strukturierung unter Berücksichtigung auch der Nebenstimmen in dynamisch feiner Abstufung.Eine solche kennzeichnete auch die eingangs gespielten „Papillons“, deren erzählenden Duktus Bashkirova mit einigen Ausflügen ins Neckische durch dezentes Rubato unterstrich. Das etwas einstündige Programm fand großen Anklang.“

LoCom – Kultur Barbara Voss im Gespräch mit… Frank Oppermann, kleines theater Bad Godesberg

Der Regisseur und Schauspieler Frank Oppermann leitet seit knapp einem Jahr das kleine theater Bad Godesberg. Er berichtet von seiner künstlerischen Karriere und lässt uns an seinen jahrelangen Erfahrungen, die er im Kulturbetrieb sammelte, teilhaben… und erzählt, was ihn bewog, die Leitung des kleinen theaters Bad Godesberg zu übernehmen. Natürlich ist die Corona-Krise, die die Kulturbetriebe besonders hart trifft, ein wesentlicher Bestandteil des Gespräches. Welche Ansichten vertritt er, welche Erfahrungen macht er im Alltag und was liegt ihm besonders am Herzen? Ein- und Ausblicke im persönlichen Gespräch mit Frank Oppermann. 

Das ausführliche Gespräch wurde am Montagabend, 4. Mai 2020 zwischen 21:00 – 22.00 Uhr bei Radio Bonn/Rhein-Sieg ausgestrahlt.  

Zu hören im weltweiten Livestream unter www.radiobonn.de –> Webradio 

und über die UKW-Frequenzen 

Alfter, Bonn, Bad Honnef, Bornheim, Königswinter, Lohmar, Meckenheim, Niederkassel, Rheinbach, St. Augustin, Siegburg, Swisttal, Troisdorf, Wachtberg

97,8

Im sonstigen Rhein-Sieg-Kreis

91,2 – 94,2 – 99,9 -104,2 – 107,9

Viel Spaß beim Hören! 

mit freundlicher Genehmigung der

Förderverein Lokalradio Bonn und Rhein-Sieg e.V.
LoComNET – Interkulturelles Netzwerk bürgerschaftlicher
Mitwirkung und Beteiligung an Medien und Kultur
– qualitätstestiert durch QMB – ArtSet  
mit seinen Einrichtungen
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LoComMEDIA,
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LoComFORUM
 
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LoCom-Haus, Bachstr. 4, 53115 Bonn

Maximilian Gehrlinger wäre unser Werther gewesen….

Maximilian Gehrlinger – 601 Days of Werther

Maximilian Gehrlinger wäre unser Werther in Bad Godesberg gewesen. Wir hatten uns alle sehr darauf gefreut ihn auf diesem Gastspiel in der Rolle erleben zu dürfen. Ein wenig dürfen wir das jetzt trotzdem, das finden wir fantastisch!Spendet für die Festspiele: http://bit.ly/BGF-Spenden_________________________________________Infos zu den Festspielen: www.festspiele.hanau.deMärchenhaftes Hanau: www.grimms.hanau.de#bgf20 #homeoftheeinhorn #hanauerleben

Gepostet von Brüder Grimm Festspiele Hanau am Dienstag, 14. April 2020

Express 12.04.2020

https://www.express.de/bonn/zuspruch-in-corona-krise-promis-stehen-bonner-theater-mit-kreativer-botschaft-bei-36547824?originalReferrer=https://www.facebook.com/&originalReferrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2Furl%3Frct%3Dj&sa=t&url=https%3A%2F%2Fwww.express.de%2Fbonn%2Fzuspruch-in-corona-krise-promis-stehen-bonner-theater-mit-kreativer-botschaft-bei-36547824&ct=ga&cd=CAEYACoTMTc3OTU0NjA3MjIzMjUwMDM5NTIaYjEzMjExNDk1YzNhYTZlZjpjb206ZGU6REU&usg=AFQjCNEQNIMOOAknPN6dB-5oaUjmbW6t7w&fbclid=IwAR3kDVVMCSAslh0YwSXEPrewahkqbZGD9OXEr6wrp1HJfYkIhGzxlfiW3B0

Corona – Aufmunterung

Sabine Rübsamen hat gefragt und hat diese Beiträge zurückbekommen und zusammengestellt! Das ist das schönste Geschenk ever…… HERZLICHEN DANK!! Bis bald! Wir werden feiern!!
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Zum Welttheatertag

Heute ist Welttheatertag! Wir feiern und gedenken dem Theater, das gerade in Deutschland und rund um den Globus in seiner so ureigenen Form nicht stattfinden kann. Jeder Versuch, es virtuell stattfinden zu lassen, bleibt ein Versuch, ein notdürftiger Ersatz, da nur der direkte Bezug zwischen der Bühne und den Zuschauern, das ist, was uns ausmacht und den Unterschied darstellt zum Film, Fernsehen und Streaming. Gerade dieses LIVE-Erlebnis ist es, was Theater so besonders macht. Jede Vorstellung ist ein individuelles Erlebnis für den Schauspieler, für das Publikum und im gegenseitigen Wechselspiel. Ich hatte das große Privileg rund 90 % unserer 225 Vorstellungen ansehen zu können. Und obwohl man das Stück vielleicht bereits 20 oder 25 mal gesehen hat, bleibt es spannend. Kleinigkeiten können plötzlich neue Perspektiven eröffnen. Die Stimmung im Saal kann ebenso das Geschehen auf der Bühne beeinflussen. Das ist Lebendigkeit, das ist spannend, das ist Theater. Wir treten in einen Dialog, der uns auf ganz besondere Art verbindet. Wir freuen uns auf den Tag, an dem wir das mit Ihnen wieder erleben dürfen! Und vielleicht ist diese Zäsur, die Chance zu erkennen, wie unverzichtbar Kultur eigentlich ist.
Frank Oppermann

Bonner Rundschau vom 23.03.20

Existenz steht auf dem Spiel

Von Uta Kristina Maul

Bonn. Voller Elan und Zuversicht übernahm Frank Oppermann 2019 das Kleine Theater Bad Godesberg von Walter Ullrich. 225 Vorstellungen, erzählt er der Rundschau, gingen seit dem 3. August 2019 in dem denkmalgeschützten Haus an der Koblenzer Straße (siehe Kasten) über die Bühne. Keine acht Monate später muss der 53-jährige gebürtige Brühler um die Existenz seines kleinen Privattheaters mit fünf Festangestellten und bis zu 40 Aushilfen bangen. Die Coronakrise hat alles lahmgelegt.

„Ich habe die Notbremse gezogen und für alle fest angestellten Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt“, sagt Oppermann traurig. „Das ganze Haus steht unter freiwilliger Quarantäne, es findet gar nichts statt.“ Und er befürchtet, dass die von der Stadt zunächst bis zum Ende der Ferien am 19. April angeordnete Schließung fortgesetzt wird. Bei einer Krisensitzung habe der Oberbürgermeister signalisiert, dass es auch August werden könne, bevor die Häuser wieder öffneten.

„Wir wollen versuchen, ausgefallene Aufführungen und das Rahmenprogramm irgendwie nachzuholen, in einer anderen Spielstätte oder übers Jahr verteilt in unserem Haus – vorausgesetzt, die Krise dauert nicht zu lange.“ Dabei, so Oppermann bitter, sei sein Haus auf dem „aufsteigenden Ast“ gewesen: 3,5 Prozent mehr Besucher und fast neun Prozent mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum, ein „sehr guter“ Februarumsatz, eine „erfreuliche Entwicklung aufwärts“. Dann der Einbruch: In der vergangenen Woche sei der Dreiakter „Blick zurück im Zorn“ des britischen Dramatikers John Osborne (wir berichteten) teils vor nur 25 Leuten aufgeführt worden. Der 53-Jährige: „Nicht verkaufte Tickets sind unser größter Schaden.“

Und jetzt? 51 000 Euro koste der Spielbetrieb Monat für Monat, „und wenn wir nicht spielen“, so Oppermann, „sind es 16 000 Euro, die wir leisten müssen“. Er hofft wie so viele auf Unterstützung aus Nothilfefonds, auf Bund, Land und den von der Stadt Bonn aufgelegten Hilfefonds. Für hilfreich hielte er auch eine „bedingungslose“ Zahlung der Grundsicherung für sechs Monate statt einer wohl doch langwierigeren Kreditvergabe durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Etwa einen Monat sei das Kleine Theater noch liquide, „dann wird es schwierig“. Deshalb hofft Oppermann, dass die Stadt als Eigentümerin des Theatergebäudes ihm als Mieter entgegenkommen kann.

Was aber „weder praktisch noch finanziell möglich ist“, sei die geplante Sanierung des Hauses ab August. Die Instandsetzung ist im Mietvertrag festgelegt, der Theaterleiter hofft auf Aufschub. Und er baut auf die NRW-Förderung für 2020, die noch ausstehe und 45 900 Euro betrage. Nur mit „viel, viel Verzicht“ – die Mitarbeiter befänden sich nun alle auf „Mindestlohnniveau“ – sei eine Rettung des Kleinen Theaters möglich.

Seinem Publikum, das nun doch zunehmend Erstattungen für ausgefallene Aufführungen wünsche, alternative Kulturangebote über die digitale Schiene zu unterbreiten, hält Oppermann für wenig zukunftsträchtig: „Streaming wird nur kurz beachtet.“ Im Übrigen sei es kein Ersatz für einen realen Theaterbesuch, und das Publikum in Bad Godesberg sei überdies älter, soll heißen, nicht unbedingt vertraut mit digitalen Angeboten.

„Kulturelles Nichtstun macht wahnsinnig“, sagt Oppermann und versichert, mit Hochdruck daran zu arbeiten, die Krise ohne Insolvenz zu überwinden: „Wir wollen weiter zeigen, dass wir gutes Theater auf hohem Niveau machen. Das ist uns bisher gelungen, und das soll nicht durch ein Virus gefährdet werden.“

Das Theater

Das Kleine Theater in der Koblenzer Straße 78 wurde 1922 als Wohnhaus errichtet, es gehört heute der Stadt Bonn und steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude wurde 1969 für 50 Jahre an Walter Ullrich, den Intendanten des Vereins „Kleines Theater Bad Godesberg“, vermietet. Er baute das Haus 1970 zum Kleinen Theater mit 156 Plätzen um. Sein Mietvertrag lief Ende Juni 2019 aus.

Frank Oppermann führt den Betrieb seit 2019 weiter. Vereinbart worden war damals, dass der neue Theaterleiter und seine Mitstreiter ohne städtische Zuschüsse auskommen. Laut Vertrag sollte das Gebäude in den kommenden Jahren vom Mieter instandgesetzt werden. (kri)

Scheck für die neue Spielzeit

Bonn. Einen Scheck über 2500 Euro überbrachten der Deutsche Beamtenbund (dbb) Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg und die Sparda Bank West dem Kleinen Theater für Produktionskosten in der neuen Spielzeit. Das Geld hatte die Bank anlässlich der 32. Verleihung des karnevalistischen Ordens „Lachender Amtsschimmel 2020 “ an den Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Prof. Ulrich Kelber, zur Verfügung gestellt. Rainer Schwierczinski (dbb; rechts) und der Ehrenvorsitzende Klaus Michel (links), die beiden Organisatoren des „Lachenden Amtsschimmel“, und Peter Goeke (Sparda Bank; 2. v. l.) wünschten Theater-Intendant Frank Oppermann (3. v. l.) Stehvermögen in der Krise. Foto: Matthias Kehrein

General-Anzeiger vom 14.03.2020

Offener Brief der Bonner Theater

Bühnen hoffen auf Unterstützung

Die Bonner Theater Bühne in der Brotfabrik, Contra-Kreis-Theater, Euro Theater Central,Junges Theater Bonn, Kleines Theater Bad Godesberg, Malentes Theater Palast, Pantheon Theater, Haus der Springmaus, Theater Bonn, Theater Die Pathologie, Theater im Ballsaal,Theater Marabu und die Theatergemeinde Bonn haben sich am Freitag zu einem Krisengespräch im Contra-Kreis Theater getroffen und dabei einen offenen Brief an die Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die Ministerin für Kultur und Wissenschaft, Frau Pfeiffer-Poensgen, geschrieben: „Die freien und privaten Theater in Bonn (FPTB) begrüßen die Erklärung der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Anschluss an das Treffen mit den Innenministern der Länder, dass ab sofort auch alle Veranstaltungen mit weniger als 1000 Besuchern unterbleiben sollen“, heißt es in dem Brief. Und weiter: „Wir, die Bonner Theater, erwarten und hoffen sehr, dass heute im Laufe des Tages die Landesregierung auch kleinere Veranstaltungen untersagt und die Schließung unserer Theater anordnet. Wir werden den Spielbetrieb dann sofort einstellen. Aus juristischen Gründen ist es für uns aber existenziell wichtig, dass die Schließung unserer Theater, die wir aus gesellschaftlicher Verantwortung unbedingt fordern, behördlich angeordnet wird und wir nicht aufgrund von eigenem Ermessen unsere Theater schließen müssen. Nur bei einer angeordneten Schließung handelt es sich auch formal um ‚höhere Gewalt‘, die uns vor noch schlimmeren wirtschaftlichen Konsequenzen schützt. Niemand kann heute sagen, wann wir unseren Spielbetrieb wieder aufnehmen können.“
„Für uns alle bedeutet die Einstellung des Spielbetriebs, dass wir praktisch sofort die eigenen Einnahmen verlieren. Unsere Betriebe, so unterschiedlich sie strukturiert sind, werden ohne Hilfe alle in wenigen Wochen insolvent sein, unsere MitarbeiterInnen werden ihre Jobs verlieren, unsere Strukturen werden dauerhaft zerstört (…) Daher appellieren wir dringend an die Bundesregierung und die Landesregierung, sehr schnell und koordiniert mit der Stadt Bonn ein Programm aufzulegen, das unsere Theater vor der Insolvenz bewahrt.“ ga